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Freiwillige Feuerwehr Hamburg

19.08.2002
Aktuelles

Im Kampf gegen die Fluten


Ein Bericht aus dem Einsatzabschnitt in Dresden

Am Anfang wirkt es noch wie ein Betriebsausflug, als sich am Freitag morgen gegen 05.00 h der Bus nach Dresden in Bewegung setzt. Etwa 40 Kameraden der FF und ein Dutzend Angehörige der Berufsfeuerwehr (Leitungsdienst und Techniker von F 03) werden die 1. Ablösung der Hamburger Kräfte sein, die bereits seit Mittwoch gegen das Hochwasser kämpfen.

Bis selbst in die Stadt hinein, die nach gut 6-stündiger Fahrt erreicht wird, macht das Super-Sommer-Wetter den Eindruck geradezu irreal, dass es sich hier um einen Katastrophenort handelt. Nur die ständig mit Sonderrechten fahrenden Einsatzfahrzeuge aller Organisationen und Bundeswehr-Kolonnen, schwere Vierachser mit Anhänger – vollgepackt mit Sandsäcken und Material sowie dreiachsige Radpanzer – die von Feldjägern mit Blaulicht geleitet werden, lassen erahnen, dass ein gewaltiges logistisches Hilfswerk im Gange ist. Am Himmel dröhnen Hubschrauber.

Die Hamburger Kräfte sind in der aus der Kaiserzeit stammenden Offiziersschule des Heeres untergebracht, je zum Teil in Zelten oder festen Gebäuden. Die Infrastruktur stellt für die Tagesmahlzeiten die Kantine der Bundeswehr, während unser Versorgungsmodul mit dem neuen GW-Versorgung rund um die Uhr Snacks und Erfrischungen bereithält, Verpflegung an die Einsatzstellen liefert und auch nachts um 01.00 h noch mit heißen Würstchen und Salat aufwartet.

Die Kräfte sind in 2 Verbände (Land und Wasser) jeweils unter Leitung eines BerF/V geteilt, dazu ein DBerF/V als Einsatzleiter FF. Die Berufsfeuerwehr stellt die Positionen GEL, TEL und OrgL sowie die technische Logistik. Als Zugfahrzeuge für die Boote werden RW1 oder LKW Dekon-P und für den Landeinsatz die HLF, LF und GKW1 eingesetzt. Einsatzaufträge kommen von der TEL Dresden über den BFW herein, der durchgehend besetzt ist.

Dann werden schnell ganze Verbände alarmiert oder einzelne Einheiten (z.B. LF 16 Kirchwerder-Süd mit LKW Dekon-P und KB von Fünfhausen) zusammengestellt, denen ein Schadensort zugewiesen wird. Eine ganze Nacht am Sandsackdamm oder Bootsfahrten durch die überfluteten Gebiete, die nur mit ortskundiger Polizeibegleitung auf Umwegen und mit geländefähigen Fahrzeugen erreicht werden können, lassen die Einheiten erst nach Stunden erschöpft zurückkehren. Vielfach wird Personal in der Nähe der Einsatzstellen ausgewechselt, transportiert mit den MTW. Ein Boot ist der BF Essen für den Tauchereinsatz unterstellt.

Tief beeindruckend sind die absoluten Gegensätze von Katastrophe und Schönwetterphase. Ein Sandsackdamm wird gebaut, Wasser ist nirgends zu sehen oder gut 500 m entfernt; später erst kommt es unaufhaltsam angelaufen, nicht unbedingt reißend, aber wie im Watt kontinuierlich steigend, immer weiter. Wer dachte, er hat für nichts geschuftet, erhöht nun die Geschwindigkeit bei der Erhöhung der Barrikade. Nachforderungen wie mal eben 3.000 Sandsäcke, 3 Kleinboote oder ein halbes Dutzend TSen sind nicht selten in dieser Zeit. Im Funk tummelt sich ganz Deutschland (Heros Sachsen, Florian Kaiserslautern, Akkon Oldenburg und nur am Dialekt erahnbare Einheiten aus Bayern, Thüringen oder sonstwoher).

Die Kleinboote retten derzeit Personen aus den rasch vollaufenden Gebieten der Stadtteile, zum Teil unter schwierigen Bedingungen über Balkone. Vereinzelt muss die Polizei Zwangsmaßnahmen androhen, wenn insbesondere ältere Leute ihre Häuser nicht verlassen mögen. Zwischendurch RTW-Anforderungen weil einem Bürger übel wurde oder sich jemand am Auspuff der TS das Bein verbrannt hat.

Ist eine Einsatzstelle abgearbeitet, d.h. stabilisiert, kommt vielfach schon ein Folgeauftrag oder Teilkräfte werden abgezogen. Schlaf gibt es nur stundenweise zu unterschiedlichen Tageszeiten (Versorger und FM-Kräfte arbeiten z.B. in einem Schichtenrhythmus: tagsüber alle, dann 21-1 h, 1-7 h oder ähnlich).

Beeindruckend ist der Durchhaltewillen der Bevölkerung, ob betroffen oder nicht ist völlig egal. Man trifft sich zum Schaufeln, irgendwer bringt Essen und Getränke mit, man geht wieder und verabredet sich – und es kommen auch tatsächlich alle wieder.

Auf den Straßen viele private Klein-LKW und Pick-Up’s, auf der Ladefläche ein Haufen Sand und ein paar Leutchen aller Altersgruppen mit Schaufeln. Die Einsatzstellen zeigen mehr Zivilhelfer als reguläre Einsatzkräfte. Ganz im Gegenteil von der Vorstellung der allein am Deich kämpfenden Feuerwehr sieht es am Sandsackdamm fast aus wie auf einem Volksfest. Trotzdem gibt es Rückschläge wie der Verlust des Schlosses Pillnitz, wo schlagartig geräumt werden musste und man sich selbst rettete.

Zwischen den Zelten wird später das nasse Zeug im Sommerwind zum Trocknen aufgehängt. Am nächsten Tag, als der Pegel etwas gefallen war, fuhr ein Kommando dorthin, um die Reste eines Dutzend TSen und von noch mehr B-Längen und Material wiederzufinden und instandzusetzen… für noch viele weitere Einsätze.

Unsere Bilder geben nur einen kleinen Eindruck vom Einsatz der Hamburger Feuerwehr wieder und lassen die tatsächlichen Zustände kaum vorstellen.
Nach heutigem (Montag, 19.08.) Kenntnisstand werden noch bis in die nächste Woche hinein Kräfte zur Ablösung nach Dresden geschickt werden. Wenn das Wasser auf den Straßen ganz weg ist, kann ans Auspumpen der Keller gegangen werden …

(alle Bilder (c) Thomas Schwarz & Michael Tropp)

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Schadensstelle im Ortsteil Pieschen

Schadensstelle im Ortsteil Pieschen


Viele zivile Helfer, die bis zur Erschöpfung mitarbeiten

Viele zivile Helfer, die bis zur Erschöpfung mitarbeiten

Galerie
Mit Containern (Bildrand rechts) werden ständig mehr Sandsäcke herangefahren
Ständige Inspektion durch Feuerwehr und Polizei, man beachte die Anzahl B-Längen...
Die Bahnunterführung trennt einen Stadtteil vor'm absaufen; beachte die Höhe und Breite des Sandsackwalls
Nach dem Ansteigen des Pegels muss ständig nachgearbeitet werden; im Hintergrund kann man auf der Straße schon Boot fahren !
Per Menschenkette wird der Nachschub nach vorn gebracht
Sickerwasser aus dem Grund muss ständig abgepumpt werden, während die Arbeiten weitergehen
Das Wasser kommt langsam, steigt aber stetig
Alle helfen mit...
In weiten Teilen der Stadt merkt man nichts von der Katastrophe...
Bereitstellungsraum in der Offiziersschule mit BFW und Versorgung
Ausrücken in das Schadensgebiet (ELW-OrgL, HLF, GKW1)
Ausrücken einer Hamburger Einheit (2 ELW, HLF, Dekon-P)
Der BFW war im 24 Std.-Betrieb
Eine Kolonne aus Radpanzerwagen formiert sich zum Ausrücken.
Die eigenen Kräfte hatten zur Sicherheit einen RTW dabei.
Der Versorgungsstützpunkt mit GW-Vers. und FKH. Der GW-RD im Hintergrund wurde nach Entladen der Zelte als Versorgungsfahrzeug für Nachschubfahrten eingesetzt.
Leere und gefüllte Sandsäcke werden im Bereitstellungsraum vorgehalten.
Kolonnenweise wird weiteres Material zugeführt
Vor der Befehlsstelle: GEL OBRT Lindner, S 4 BREF'in Klatt (BF Bochum), WF Altona A. Hesse, BFW-Führer BRAR Hitzeroth, BFW-Begleiter