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Freiwillige Feuerwehr Hamburg

06.09.2002
Aktuelles

Sächsisch für Anfänger – Ein Bericht aus Dresden


Folgender Bericht erreichte die Redaktion von feuerwehr-hamburg.de. Er wurde von Andreas Wilkens (FF-Langenhorn) verfaßt und schildert auf sehr anschauliche Weise die Arbeit der Hamburger Kräfte in Dresden.

Am Donnerstag, dem 22.08.02, machten wir uns (Volker Hampe, Peter Plum, Herwart Wiederhold, Florian Bornmüller und Andreas Wilkens) zusammen mit ca. 40 weiteren Kameraden aus FF und BF auf den Weg zur Ablösung nach Dresden. Wir fuhren um 5.00 Uhr morgens vom Berliner Tor ab und erreichten gegen 11.00 Uhr unsere Unterkunft in der Heeresoffiziersschule Albertstadtkaserne. Nach der Begrüßung und Bekanntgabe der Fahrzeugeinteilung bezogen wir unser Quartier in den kuscheligen Feuerwehrzelten, erkundeten beim Mittagessen die Kantine und begaben uns dann auf die Fahrzeuge.

Da die Fahrzeugeinteilung komplett gemischt aus BF- und FF Kameraden erfolgte, landeten Volker als Fahrzeugführer mit Herwart und Florian auf dem ersten LF 16 TS der FF Wandsbek Marienthal, Andreas als Fahrzeugführer auf dem zweiten LF 16 TS der FF Osdorf, Peter war auf dem GKW der FF Warwisch eingesetzt.

Gegen 12.30 Uhr verließen wir die Kaserne mit den zwei LF16 TS und dem ELW und mussten uns auf dem Weg zur ersten Einsatzstelle durch den dichten Dresdner Verkehr wühlen (diverse Ampelanlagen sind noch außer Betrieb).

Erste Einsatzstelle: Sankt Petersburger Straße, Nähe Hauptbahnhof

Durch das Hochwasser der Weißeritz, das den gesamten Bahnhofsbereich überflutet hatte, war eine Unterführung unter der Sankt Petersburger Straße auf ca. 400 m Länge bis unter die Tunneldecke vollgelaufen. Damit beim Leerpumpen der Unterführung keine Bauschäden durch das sehr hoch stehende Grundwasser entstehen konnten, bestand unsere Aufgabe darin, den Grundwasserspiegel in diesem Bereich zu senken. In der Umgebung der Unterführung ist ein Drainagesystem installiert, welches aus mehreren Sammelschächten besteht, die untereinander durch Rohrleitungen verbunden sind. Diese Rohrleitungen können in jedem Schacht durch Absperrschieber verschlossen werden. Um großflächig das Grundwasser abpumpen zu können, haben wir sämtliche Schächte geöffnet und die Schieber aufgedreht. Mit der Fahrzeugpumpe des LF Osdorf wurde dann das Grundwasser in die Kanalisation befördert.

Nachdem alle Schlauchleitungen aufgebaut waren, wurde Volker mit seinem LF zur Einsatzstelle Schützenplatz beordert. Andreas verblieb bis zur Ablösung um ca.18.30 Uhr mit seiner Gruppe an der Einsatzstelle. Zwischenzeitlich erschien der GKW Warwisch mit Peter an Bord, um zwei Bauarbeitern für dringend erforderliche Schweißarbeiten Strom vom Notstromaggregat zu liefern.

Obwohl wir vor der Abfahrt aus der Kaserne gerade gegessen hatten, wurde die leckere Reispfanne, von einem Transporter der FF- Dresden geliefert, gerne verputzt. Auch das Obst und die Getränke, die ca. eine Stunde später eintrafen, fanden großen Anklang.

Das LF Osdorf befand sich mit regelmäßig abgelöster Besatzung bis Freitag Abend an der Einsatzstelle, die dann an örtliche Kräfte übergeben wurde.

Zweite Einsatzstelle: Schützenplatz 14, Wasser im Keller

In der Straße Schützenplatz und Umgebung stand das Wasser während des Hochwassers ca. 1,60 m hoch auf den Straßen (siehe Foto). Über dem ganzen Gebiet lag ein undefinierbarer Geruch von modrigem Schlamm und Fäkalien, der die Arbeit der Einsatzkräfte nicht besonders angenehm machte. Der Keller von Haus Nr. 14, in dem sich unter anderem ein Steakhaus befand, dessen Inneneinrichtung vollständig zerstört wurde, stand noch komplett unter Wasser. Mit der Fahrzeugpumpe des LF Wandsbek Marienthal sowie diversen Tauchpumpen wurde das fäkalienhaltige Wasser in die Kanalisation gepumpt.

Als während der Arbeiten eine Saugleitung verlängert werden musste, wurde Florian beim Auseinanderkuppeln von einem großen Schwall der Dreckbrühe geduscht. Da niemand sagen konnte, wie gesundheitsgefährdend das Wasser war, wurde er daraufhin vom Befehlswagen in die Unterkunft zurückgerufen, um sich sofort unter die Dusche zu begeben. Danach kehrte er an die Einsatzstelle zurück. Das sehr hoch stehende Grundwasser machte sich auch hier bemerkbar. Nachdem der Keller schon fast leer gepumpt, war drückte es von außen in das Gebäude. Die Arbeiten wurden deswegen gegen 23.30 Uhr eingestellt, um am nächsten Tag, wenn genug Grundwasser nachgelaufen sein sollte, weiter zu pumpen. Die Einsatzkräfte waren gegen 24.00 Uhr wieder in der Kaserne.

Dritte Einsatzstelle: Könneritzstraße, Wasser im Keller, Radio Könen

In der Nähe des Schützenplatzes befand sich die dritte Einsatzstelle. Sie wurde von dem GKW Warwisch abgearbeitet. Mit zwei Tauchpumpen wurde das Wasser der Kanalisation zugeführt, bis auch hier nur noch nachsickerndes Grundwasser im Keller stand. Der GKW wurde danach der Einsatzstelle Schützenplatz zugeordnet. Bei erneuter Kontrolle am nächsten Tag war das Wasser weggesickert, so dass keine Hilfe mehr geleistet werden musste.

23.08.02

Am Freitag wurde die Fahrzeugeinteilung teilweise geändert. Der zweite Zug rückte gegen 8.30 Uhr mit Herwart, Florian und Peter zur Einsatzstelle Pfotenhauerstraße ab.

Vierte Einsatzstelle: Pfotenhauerstraße 48, Tiefgarage unter Wasser

Hier stand die Tiefgarage eines Altenwohnheims, ca. 13 m breit und 30 m lang, ungefähr 1,5 m hoch unter Wasser. Von verschiedenen Zugängen wurde das Wasser über zwei Tragkraftspritzen, zwei Turbinentauchpumpen und drei E- Tauchpumpen ins Freie befördert. Diese und die Einsatzstelle in der Sankt Petersburger Straße wurden im Laufe des Vormittags von Hamburgs erstem Bürgermeister Ole von Beust besichtigt.

Der erste Zug mit Volker und Andreas begab sich an diesem Morgen noch einmal an die Einsatzstelle Schützenplatz, brauchte jedoch nicht mehr tätig werden, da nur noch geringe Mengen Wasser im Keller standen, die von den Anwohnern in Eigenarbeit abgepumpt wurden.

Volker erhielt mit seinem LF daraufhin die Aufgabe, aus der Richard-Rösch-Straße ein Notstromaggregat abzuholen, das die Anwohner dort mit Notstrom versorgt hatte und jetzt nicht mehr benötigt wurde. Auf der Fahrt dorthin hörten wir einen Funkspruch auf bestem Sächsisch:

„Wa brauchn an da Einsadzsdellä äine Ellegdrigga-Gombinazionszange, isoliart“. (Elektriker-Kombinationszange, isoliert).

Wir konnten uns ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Gegen 12.30 hatte Zug 1 die Tiefgarage Pfotenhauerstraße leergepumpt und kehrte zur Unterkunft zurück. Um ca. 14.00 Uhr rückten beide Züge aus, um in der Menageriestraße und in der Manitiusstraße Tiefgaragen leer zu pumpen.

Fünfte Einsatzstelle: Manitiusstraße 2, Tiefgarage unter Wasser

Es handelte sich um eine Etagentiefgarage, ca. 16 m breit und 40 m lang, in der die Fahrzeuge übereinander abgestellt werden können. Im Bereich der Stellplätze stand das Wasser ca. 2,2 m hoch. Überschlagsrechnungen ergaben ca. 900 m³ Wasser, die abgepumpt werden mussten. Ein Pkw und ein Motorroller, die in der Garage standen, müssen wohl als Totalschaden verbucht werden. Zwei Tragkraftspritzen wurden in der Einfahrt, zwei Tauchpumpen durch die Treppenhäuser in Stellung gebracht. Da sich die Luft in der Garageneinfahrt durch die TS-Abgase, die trotz diverser Abgasschläuche nicht ordentlich abgeleitet werden konnten, so weit verschlechterte, dass die Tragkraftspritzen Fehlzündungen bekamen, wurde mit der Vorbaupumpe vom LF 16 weiter gelenzt. Hierfür mussten wir 17 !! A- Saugschläuche hintereinander kuppeln.

Ein besonderes Gänsehaut-Erlebnis hatten Volker und Andreas, als sie am Ende der Straße standen und ein Dresdner Bürger auf sie zukam, sie in den Arm nahm, fest drückte, ein: „Ich wollte euch nur danke sagen, danke“ sprach und mit Tränen in den Augen wegging. Hamburger Kräfte hatten in der Woche zuvor seine Mutter mit einem Boot aus einem überschwemmten Haus gerettet. Die Einsatzstelle war gegen 21.00 Uhr abgearbeitet.

Sechste Einsatzstelle: Menageriestraße/ Hohentalplatz, Tiefgarage unter Wasser

Herwart, Florian und Peter waren mit Zug 2 eingesetzt, um in der Menageriestraße in einem ca. 60 m langen und 30 m breiten Mehrfamilienhaus die Tiefgarage zu lenzen. Da sich die Garage fast unter dem gesamten Haus erstreckte und ca. 1,6 m hoch unter Wasser stand, konnte trotz stundenlangem Pumpen mit zwei Tragkraftspritzen, zwei gekoppelten Turbinentauchpumpen und mehreren E- Tauchpumpen der Wasserstand nur um ca. 70 cm gesenkt werden. Während der Pumparbeiten konnten sich die Kameraden auf dem gemütlichen Innenhof von dem Lärm der laufenden Notstromaggregate und TS erholen. Gegen 21.00 Uhr wurde die Einsatzstelle verlassen, um die Fahrzeuge für die am nächsten Morgen geplante Rückfahrt fertig zu machen. Der Abend klang mit leckerer Grillwurst auf dem Grillplatz der Kaserne aus.

24.08.02

Nach dem Frühstück würden die Zelte geräumt und eingepackt und die Kameraden begaben sich zu den ihnen zugeteilten Fahrzeugen. Der erste Zug verließ die Kaserne gegen 8.35 Uhr mit Volker, Herwart, Florian und Peter auf dem Dekon P Fahrzeug der FF Eimsbüttel, der zweite folgte gegen 9.15 Uhr mit Andreas auf dem LF 16/12 der FF Reitbrook mit Kleinboot. Auf der Autobahn begegneten uns diverse andere Feuerwehr-, THW- und Polizeizüge auf der Rückkehr aus anderen Katastrophengebieten entlang der Elbe.

Bestens informiert durch über Funk durchgegebene Fußballergebnisse erreichte der zweite Zug die Landesfeuerwehrschule um 17.00 Uhr. Dort wartete schon die Presse sowie Zug eins. Nach einer kurzen Begrüßungsrede von Herrn Farrenkopf sowie von Herman Jonas machten wir uns auf den Weg zur Wache, an der wir bei einem kühlen Bierchen das erlebte Revue passieren ließen.

Wir haben komplette Straßenzüge voll Sperrmüll und Matsch gesehen, geflutete E- Verteilerkästen, unterspültes Kopfsteinpflaster, dankbare Dresdner, die uns mit Kaffee versorgten, Aufräumarbeiten wohin man sah, verstaubte Straßen, die von Jugendlichen mit Besen gereinigt wurden, liegen gebliebenes Treibgut und entwurzelte Bäume am Elbufer etc. Wer diese ganzen Schäden gesehen hat, dem ist klar, dass es eine ganze Weile dauern wird, bis diese beseitigt sind und Dresden so aussieht wie vor dem Hochwasser.

Alles in allem war dies ein Einsatz, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Autor:
Andreas Wilkens
Freiwillige Feuerwehr Hamburg Langenhorn

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Erste Einsatzstelle: Sankt Petersburger Straße, Nähe Hauptbahnhof

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Erste Einsatzstelle: Sankt Petersburger Straße, Nähe Hauptbahnhof

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Erste Einsatzstelle: Sankt Petersburger Straße, Nähe Hauptbahnhof
Dieses Auto hatte am Schützenplatz geparkt
Hamburg's Bürgermeister Ole von Beust informiert sich vor Ort über die Arbeit der Hamburger Kräfte