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Freiwillige Feuerwehr Hamburg

17.08.2004
Aktuelles

In Gedenken an Hans Brunswig


Am 4. August 2004 verstarb im Alter von 95 Jahren Hans Brunswig. Er war vom 1. Oktober 1963 bis zum 31.10.1968 im Amt des Oberbranddirektors für die Hansestadt Hamburg tätig. Wir erinnern an ihn.

Der gebürtige Mannheimer legte 1928 in seiner Heimatstadt die Reifeprüfung ab und nahm anschließend das Studium des Maschinenbaus an der TH Karlsruhe auf, das er 1934 mit der Diplom-Hauptprüfung abschloss.

Es folgte eine mehrjährige Tätigkeit in der Industrie als Direktionsassistent bei der Firma Carl Metz in Karlsruhe und als Vertriebsingenieur bei Daimler-Benz in Gaggenau.

Seinen langgehegten Berufswunsch, Feuerwehrmann zu werden, konnte Hans Brunswig 1938 verwirklichen: Am 1. Oktober trat er als Brandingenieur in die Feuerwehr Hamburg ein.

Hier war er bis zur Abordnung zum Feuerschutzpolizeiregiment 2 am 1.Oktober 1944 als Leiter der Technischen Abteilung tätig. Nach dem Zusammenbruch baute er den Fahrzeug- und Gerätepark der Hamburger Feuerwehr wieder auf, die er zu einer der bestausgerüsteten Feuerwehren machte. Als Erster führte er vollhydraulische Drehleitern und Frontlenker- („Pullman“-) Fahrzeuge ein.

Am 1. Oktober 1963 wurde Hans Brunswig mit der Leitung der Feuerwehr Hamburg betraut. Als Amtsleiter führte er die dringend fällige Neuorganisation des Feuerwehramtes durch und schuf die Grundlagen für die Neuordnung des Hamburger Katastrophenschutzes. Oberbranddirektor Brunswig war kein „bequemer“ Amtsleiter.

Das musste selbst der damalige Innensenator Helmut Schmidt der spätere Bundeskanzler, erfahren! Brunswig sagte stets deutlich und ehrlich seine fachlich begründete Meinung, auch wenn diese in ihrer Eindeutigkeit auf der politischen Ebene zuweilen nicht unbedingt gerne gehört wurde. Von seinen Mitarbeitern im höheren Dienst verlangte er viel, aber nichts, was er nicht auch sich selbst abverlangte. Und sie konnten dabei immens viel lernen!

Während seiner gesamten Dienstzeit galt sein besonderes Interesse dem Löschmittel Schaum. Bereits 1936 veröffentlichte er seinen ersten Aufsatz über „Luftschaum und Luftschaum-Erzeuger“, dem noch viele folgen sollten.

Bei der Feuerwehr Hamburg stellte er viele grundlegende Schaumversuche an, deren Ergebnisse in die Entwicklung der Schaumlöschgeräte einflossen. Bei zahllosen Einsätzen im und nach dem Krieg gewann er weitere wertvolle praktische Erkenntnisse auf diesem Gebiet, die er in manchen Fachartikeln weitergab.

Er war über die Grenzen Deutschlands als Spezialist in der Bekämpfung von Mineralöl- und Schiffsbränden mit Schaum bekannt.

Ein anderes Spezialgebiet von Hans Brunswig war stets die Drehleitertechnik, mit der er sich bereits zu Beginn seiner Feuerwehrkarriere eingehend beschäftigte. Davon zeugen beispielsweise seine Aufsätze „Kraftfahrleitern als Rettungs-, Lösch- und Hilfsgeräte“ (1939) und „Grundlagen der Sicherung von Kraftfahrleitern“ (1940). Nach dem Krieg war er ein Wegbereiter der fallhakenlosen Drehleitern und der maschinellen Kraneinrichtung an der DL 30.

Brunswig hielt in der Nachkriegszeit im Rahmen des Technischen Vortragswesens der Stadt Hamburg regelmäßig öffentliche Vorträge, meist unterstützt von eigenen, aussagestarken Lichtbildern. Immer ging es ihm dabei um die „Sache Feuerwehr“, um das Näherbringen des Feuerwehrberufs, und es gelang ihm dabei, auch Außenstehenden die Probleme des vorbeugenden wie des abwehrenden Brandschutzes näherzubringen.

Nach Erreichen der Altersgrenze trat er am 31. Oktober 1968 in den Ruhestand. Es wurde ein „Unruhestand“. Neben einer gutachterlichen Tätigkeit im vorbeugenden Brandschutz, u.a. im Zusammenhang mit dem Bau des „Schnellen Brüters“ in Kalkar, widmete er sich einer umfangreichen schriftstellerischen Tätigkeit.

1973 veröffentlichte er unter dem Titel „Schaumrohr vor!“ eine Dokumentation zur Geschichte des Löschmittels Schaum, die erste umfassende Darstellung der Entwicklung der Schaumlöschtechnik, die er während seiner Dienstzeit in erheblichem Maße mitgestaltet und beeinflusst hat.

1978 erschien sein Buch „Feuersturm über Hamburg“, in dem er über die Hamburger Luftangriffe und den berüchtigten Feuersturm, den er selbst miterlebte hatte, aus der Sicht des Feuerwehringenieurs und Einsatzführers berichtete. Das Buch ist heute – zwanzig Jahre nach der Erstausgabe – unverändert stark gefragt.

Hans Brunswig war Zeitzeuge und Einsatzleiter bei den bisher schwersten Einsätzen der Hamburger Feuerwehr, dem Feuersturm im Juli 1943 und der Flutkatastrophe im Februar 1962. Über den Ablauf dieser Ereignisse und den Einsatz der Feuerwehr hat er in Vorträgen und Abhandlungen berichtet. Die Brandreferendare in Hamburg, heute selber in leitenden Positionen, erhielten somit unschätzbare Erfahrungen direkt vermittelt.

Die Anzahl seiner Veröffentlichungen ist Legion! Es ist unmöglich, sie hier alle aufzuzählen.

1957 erschien seine Studie der Nachkriegsentwicklung und Zukunftsaufgaben des deutschen Brandschutzes. Sein die Kriegsereignisse betreffender Sachverständigenbericht „Einsatzerfahrungen des Brandschutzdienstes“, den er im Auftrage des damaligen Bundesamtes für zivilen Bevölkerungsschutz verfasste, wurde zum auch im Ausland vielbeachteten Standardwerk.

Brunswig verfasste viele grundlegende Abhandlungen, zum Beispiel „Neuere feuerschutztechnische Grundlagen für die Gestaltung von Feuerwehr-Fahrzeugen und -Geräten“ (1951), „75 Jahre Schaum, 25 Jahre Luftschaum“ (1952), „Feuerwehrfahrzeuge, Tatsachen, Zahlen und Erfahrungen aus der Betriebspraxis“ (1958), „Fortschritt, Rückschritt oder Stillstand?“ (1961), die Löschfahrzeugentwicklung der Nachkriegszeit betreffend, die noch immer und gerade heute wieder lesenswert sind!

Dem vfdb-Referat Brandschutzgeschichte stand Brunswig in seiner Ruhestandszeit mit seinem reichen Wissen viele Jahre lang zur Verfügung. In Würdigung seiner Verdienste um das deutsche Brandschutzwesen wurde ihm von der vfdb 1971 die Heinrich-Henne-Medaille verliehen.

Hans Brunswig nahm auch im 9. Lebensjahrzehnt regen Anteil am Feuerwehrgeschehen.

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