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Freiwillige Feuerwehr Hamburg

11.09.2004
Aktuelles

Die FF Hamburg im 3. Reich auf dem Weg zur Demokratie


Diesen interessanten Rückblick auf die Vergangenheit der Freiwilligen Feuerwehren in Hamburg hat uns unser Kamerad der Ehrenabteilung, Uwe Wulf, Wehrführer a.D. FF Öjendorf, aufgeschrieben. Herzlichen Dank dafür!

Die Freiwilligen Feuerwehren Hamburgs in der Zeit des dritten Reiches auf dem Weg zur Demokratie.

Für die Freiwilligen Feuerwehren war es im Jahre 1945 ein langer Weg, zu einem demokratischen Staat zu gelangen. Alle Wehren wurden um die Jahrhundertwende gegründet. Der Aufbau verlief schleppend. Je nach der finanziellen Lage der Dörfer um Hamburg herum, wurden die Wehren mit Löschgeräten der damaligen Zeit ausgerüstet. Nur die reichsten Gemeinden leisteten sich eine pferdebespannte Handdruckspritze. Oft wurde diese auch durch die Spende eines Gutsherren oder durch mehrere wohlhabende Bauern, Handwerker und selbständige Kaufleuten unterstützt. Die Mannschaften rekrutierten sich aus Turnvereinen, Handwerkern und den Söhnen der Landwirte.

So überlebten die Wehren das Kaiserreich und der Weimarer Republik. Ihre schwere Zeit begann mit der Übernahme des dritten Reiches, als alle Feuerwehren sich dem diktatorischen System unterwerfen mussten. Wenig Begeisterung bei vielen, die sich einer Unterwerfung nicht beugen wollten und ihre freiwilligen Aufgaben in Frage stellten. Die Führungsposten wurden jetzt nur noch Personen übertragen, die der Partei angehörten und so ihren Einfluss auf die Wehren gelten machten. Es wurde eine militärische Formalausbildung gefordert; auch bei parteipolitischen Veranstaltungen war es Pflicht daran teilzunehmen.
Die Freiwilligkeit wurde somit in Frage gestellt und, viele Austritte wurden die Folgen in den ersten Jahren. Später jedoch wurde es zum Problem. Wer seinen Austritt erklärte, hatte mit Repressalien zu rechnen und es wurden auch kurzfristige Festnahmen von der Macht angeordnet. Die Ausgetretenen mussten sich einer politischen Erziehung unterwerfen. Auch die Uniformen erhielten Embleme. Das Hakenkreuz musste auf dem Helm, sowie an den Fahrzeugen sichtbar angebracht werden.

In den darauf folgenden Jahren setzte sich eine militärische Aufrüstung in Deutschland rasant fort. Die Wehren wurden mit der Aufgabe betraut, die Ausbildung der Bevölkerung auf den Luftschutz vorzubereiten. Sirenen wurden in allen Städten und Dorfern installiert. Trotzdem noch Frieden war, bereitete man die Bevölkerung auf einen Krieg vor. Bunker für die Zivilbevölkerung wurden errichtet. Sogenannte Luftschutzübungen mussten ständig wiederholt werden.

Die Wehren wurden zu großen Einheiten zusammengefasst. Politischer Unterricht wurde zum Alltag. Auch ständige Ausbildung an den Wachen der Berufswehr wurde verstärkt. Im Jahre 1939, als Deutschland in den Krieg eintrat, erhielten alle Löschfahrzeuge eine grau – grüne Tarnfarbe. Leider begann auch die Bewaffnung. In allen Fahrzeugen wurden Halterungen für Gewehre eingebaut. Ungewöhnlich für Feuerwehren. Aber später, während der Luftangriffe auf Hamburg, sollte man bei Plünderungen von der Waffe Gebrauch machen.

Ab 1941 begannen die Luftangriffe auf Hamburg. Es begann eine schwere und verlustreiche Zeit. Die Verluste waren bei den Mannschaften am stärksten. Aber auch der Fahrzeugbestand wurde durch Bombardierung stark reduziert. Feuerwachen waren ein beliebtes Ziel der Bomber. Hier hatten sich englische und amerikanische Angreifer einer besonderen Taktik bedient. Die erste Angriffswelle, die Hamburg angriff, setzte ihre Bombenteppiche direkt vor die Ausfahrt der Wachen; sodass ein Ausrücken der Löschfahrzeuge nicht möglich war.
Luftaufnahmen der Alliierten, die während der Angriffe gemacht wurden, übergab man nach dem Kriege den deutschen Behörden, um ihre Taktik zu beweisen. Die Aufnahmen, die aus 3.000 m Höhe aufgenommen wurden, zeigten mit größter Genauigkeit die Einschläge vor den Wachen. Für die damalige Zeit eine große Leistung.
Von Deutscher Seite musste nun schnell gehandelt werden, wenn man es verhindern wollte, dass die Löschzüge entweder gar nicht, oder schwer geschädigt ausrücken konnten.
Man setzte ganze Feuerwehrbereitschaften zusammen. Ließ diese Einheiten, soweit bekannt, entweder vor den Angriffen oder in den Nachtstunden in Bereitstellungsräumen abwarten, bis die Angriffe begonnen hatten, um dann zu den Bränden, in die verschiedenen Stadtteile auszurücken. Man hatte durch diese Maßnahmen weniger Verluste an Material und an Mannschaften. Allerdings waren die Anfahrtswege dadurch wesentlich länger, denn die Bereitstellungsräume lagen im Sachsenwald bei Aumühle oder in der Grander Heide.

Zu den größten Luftangriffen des Krieges in Hamburg gehörte die Luftschlacht um Hamburg, die im Juli des Jahres 1943 stattfand. An drei Tagen, dem 26., 27. und 28. Juli, griffen über 1.000 Bomber B 52 ohne Unterbrechung die Stadt an. Ganze Stadtteile wurden dem Erboden gleichgemacht. 43.000 Tote hatte Hamburg in diesen Tagen zu beklagen. Zu diesen Einsätzen wurden Feuerwehren aus Berlin, Bremen, Hannover, Rostock und aus ganz Schleswig-Holstein zusammengezogen, um dem Feuersturm entgegenzutreten. Die Engländer sahen dieses als Vergeltungsschlag für die Zerstörung von London und Coventry durch deutsche Luftangriffe an.

Als sich das Ende des Krieges abzeichnete, griff man noch einmal zu Mitteln, die zuvor ungebräuchlich waren. Man verpflichtete Fremdarbeiter, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter für den Feuerwehreinsatz und machte erstaunlicherweise mit den meisten gute Erfolge. Auch die Deutsche Jugend, die noch nicht zur Wehrmacht brauchte, wurde in HJ Einheiten zur Brandbekämpfung eingesetzt.

Im Mai 1945 endete der zweite Weltkrieg. Die Siegermächte verlangten eine bedingungslose Kapitulation.
Die Feuerwehren wurden von der Entnazifizierung stark betroffen. Führende Feuerwehroffiziere der Berufsfeuerwehr wurden aufgrund ihrer Zugehörigkeit der Partei teilweise entlassen, interniert oder beurlaubt, bis nachgewiesen werden konnte, dass sie sich nicht an Kriegsverbrechen beteiligt hatten.
Für viele Kameraden, die in den langen Jahren des Krieges in der Feuerwehr ihren Dienst verrichteten, brach eine Welt zusammen. Sie hatten unter Einsatz ihres Lebens viele Hamburger Bürgern vor dem Tode bewahrt. Die Besatzungsmacht, die hier in Norddeutschland von den Engländern ausgeübt wurde, begann damit, die Feuerwehren wieder neu, nach demokratischem Vorbild, zu organisieren. Es war ein schwerer und langer Weg, der hier zu überwinden war.
Die Besatzer hatten großes Interesse daran, so schnell wie möglich für Sicherheit zu sorgen. Ein Privileg, das sich schon Napoleon auf dem Weg nach Russland zu nutze machte.
Besonders schwer war der Wiederaufbau der Berufswehren. Kaum Personal, Fahrzeuge veraltet, Feuerwachen zerstört. Bei den Freiwilligen sah es nicht viel besser aus, noch sind Kameraden nicht aus der Gefangenschaft zurückgekehrt. Fahrzeuge so weit vorhanden in einen desolaten Zustand. Keiner hatte den Mut, in der ersten Zeit wieder eine Uniform zu tragen.
Verantwortung zu übernehmen war schwer zu vermitteln. Auflagen von den Siegermächten wollte man nicht so recht akzeptieren. Sie verlangten keine Aufnahme von Personen, welche die Nazipartei aktiv unterstützt hatten, dieses abzuschätzen, war nicht leicht, da ja fast jeder Bürger in der Partei Mitglied sein musste. Ältere Kameraden, die während des Krieges bei der Berufswehr rekrutiert waren, überzeugte man von der Notwendigkeit, wieder freiwillige Wehren aufzubauen oder sogar neu zu Gründen. Es nahm nur langsam Gestalt an. Man wollte nach Möglichkeit die Wehren in eine Selbständigkeit führen. Dieses konnte nicht, nach so kurzer Zeit einer Diktatur, gut gehen. Auch Probleme mit Ausrüstungsgegenständen, Uniformen, Unterkünften, sowie mit der Alarmierung waren zu überwinden.

Die Zusammenarbeit mit der Berufswehr hatte in den ersten Jahren nach dem Kriege so seine Schwierigkeiten. Die Berufswehr übernahm die Führungsrolle. Dieses führte in der ersten Zeit oft zu Unstimmigkeiten mit den Freiwilligen. Aber auch diese Schwierigkeiten gehörten bald der Vergangenheit an.
Es gab einen Anfang mit ca. 40 Wehren in der Stadt. Doch schon 1947/1948 begann man mit der Ausbildung von Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren in Hamburg. Es fand erstmalig ein 14-tägiger Lehrgang an einer der Hamburger Feuerwachen statt. Übernachtungen an den Wachen wurden durchgeführt, um den Teilnehmern die Gelegenheit zu geben, um 17 Uhr nach Dienstschluss, noch an Theaterwachen teilnehmen zu können.
Auch das Ausrücken mit dem Rettungswagen wurde angeboten. Am Tage rückte der ganze Lehrgang bei Einsätzen des Zuges mit aus. Da alle Kameraden aus der ganzen Stadt und den Landgebieten kamen, lernte man sich schnell kennen. Das war ein großer Vorteil, bei späteren Einsätzen. So zum Beispiel bei den Sturmfluten, dort traf man immer wieder Kameraden, die man von Lehrgängen kannte. So war eine tolle Zusammenarbeit garantiert. Nach und nach schweißten sich die freiwilligen zu einer Freiwilligen Feuerwehr Hamburg zusammen.

Bei der Berufswehr wurde für die FF eine eigene Geschäftsstelle erstellt. So führte man die freiwilligen in die Selbständigkeit. Die Stelle eines Landesbereichsführers wurde geschaffen, der nicht nur uns bei den Hamburgern Behörden vertrat, auch in den Nachbarländern wie Niedersachen und Schleswig-Holstein wurde er gern gesehen.

In den fünfziger Jahren wurden die ersten Neubauten von Feuerwehrhäusern in Auftrag gegeben, sie wurden für Gruppenwehren ausgerichtet. Stellplatz für ein Fahrzeug und ein Unterrichtsraum. Ein großer Schritt in die richtige Richtung, wenn man bedenkt das der zweite Weltkrieg erst seit fünf Jahren beendete war und die ganze Stadt immer noch nicht von den Trümmern befreit war.

Bei den ersten Nah-Ost Konflikten in den drauffolgenden Jahren, wurde von der Bevölkerung und auch bald der Politik die Frage gestellt, was wäre wenn wieder eine kriegerische Auseinandersetzung bevorstehen würde. Ein Katastrophenschutz sollte zügig aufgebaut werden. Das hieß mehr Fahrzeuge mehr Mannschaften, größere Fahrzeughallen. Die Freiwilligen sollten hier eine Führungsrolle übernehmen und das bedeutete mehr Ausbildungsplätze.
Die Aufstockungen der Wehren war nun von 20 auf 30 Mann und eine Reserveabteilung durfte nochmals 15 Mann betragen. Dieses alles war nur zu erreichen, wenn man für junge Kameraden eine Befreiung vom Wehrdienst erhielt. Fahrzeuge, die vom Bund in Auftrag gegeben wurden, konnten in den nächsten Jahren ausgeliefert werden. Es handelte sich um Bergungsfahrzeuge, Löschfahrzeuge, Funkfahrzeuge und ABC Züge.
Ihre erste Bewährungsprobe bestanden die allradgetriebenen Fahrzeuge bei den Sturmfluten und in Niedersachsen bei den größten Waldbränden nach dem Kriege.

Die Demokratisierung hatte sich in den letzten Jahren durchgesetzt. Es war möglich, durch den Nachwuchs von jungen Leuten und das Ausscheiden der Kriegsgeneration. Die Neuzugänge von jungen Leuten erwiesen sich bald als sehr kritisch und machten alles von einer Diskussion abhängig. Dieses bedeutete, dass sie sich nicht so ohne weiteres dem Führungspersonal unterwerfen wollten. Eine Folge, da alle Führungspositionen durch eine Wahl entschieden werden mussten und es hier oft zu sehr unterschiedlichen Meinungen kam.
Oft erwies sich so ein gewähltes Mandat als eine falsche Entscheidung und es mussten immer wieder Neuwahlen stattfinden. Am meisten davon betroffen war der Posten des Wehrführers, etliche hielten nicht einmal eine Wahlperiode durch, auch waren immer weniger Kameraden bereit Verantwortung zu übernehmen. Es war nicht gerade ermutigend.
Auch der Zustrom von Studenten brachte Probleme mit sich. Die Wehren bestanden in den vorhergehenden Jahren größtenteils aus Handwerkern; daher musste sich jetzt die Ausbildung dieser Kameraden auf dem technischen und handwerklichen Gebiet erweitern. Der Ausbildungsstand in den Wehren hat sich in den Jahren wesentlich verbessert und ist sehr erweitert worden. Dieses war sehr zu begrüßen.

Die Einsatzzahlen stiegen ständig, die Anforderungen wurden größer und es führte dazu das die Berufswehr, die ständig überfordert wurde, entlastet werden musste. Personalnot bei der BF und leere Kassen der Stadt, waren die Folge der hohen Einsatzzahlen bei den Freiwilligen Wehren. Einsatzzahlen bis zu 300 waren nicht selten. Auch das hatte Nachteile. Die Wehren waren überfordert und es war für die FF nicht mehr zumutbar, zumal es sich um Einsätze handelt, die in den Nachtstunden stattfanden.
Oft handelte es sich um brennende Müllcontainer. Dafür wurde eine ganze Wehr von über 20 Mann alarmiert, hier hätte eine kleine Mannschaft ihr nötiges tun könnte. Aber die Funkmelder waren dafür nicht geeignet. Man muss auch bedenken, dass die Kameradinnen und Kameraden am nächsten Morgen wieder auf ihrem Arbeitsplatz erscheinen müssen.
Die Folge war, dass solche Aufgaben, die für die Feuerwehren selbstverständlich sind, nicht ernst genommen wurden und die Teilnahme an solchen Einsätzen mit billigen Ausreden nicht wahr genommen wurden. Nicht schön, aber auch oft verständlich. Leider haben die Arbeitgeber für das Fernbleiben von der Arbeit auch nicht das nötige Verständnis. Aber auch hier muss man des Arbeitgebers Unmut verstehen. Leider ist es oft so, dass die größten Firmen die meisten Schwierigkeiten machten. Dagegen haben kleine Familienbetriebe mehr Einsehen und machten den Feuerwehrleuten keine Schwierigkeiten.
Auch bei den Verdienstausfällen ist es dort kein Problem. Die Anforderungen, die man heute an einen Feuerwehrmann oder Frau stellt, sind enorm hoch. Körperliche Belastung, durch Tragen von Atemschutzgeräten oder Retten von Personen aus schwierigen Lagen, erfordert höchste Anstrengungen.

Im Gegensatz zum demokratischen Westen Deutschlands, entwickelte sich in der Sowjetischen Zone eine diktatorische Regierung, die das Leben der Feuerwehren bestimmte. Man konnte dieses System mit dem des Dritten Reiches vergleichen. Auch von der Politik beeinflusst und nach militärischen Richtlinien ausgerichtet.
Dieses wurde nach der Wiedervereinigung von Ost und West im Jahre 1990 geändert und man fing an, auch hier die Feuerwehren auf dem Weg zur Demokratie zu begleiten.
Fahrzeuge aus den Beständen aus Westdeutschland wurden den Wehren bereitgestellt um die überalteten Löschfahrzeuge auszutauschen. Es wurden nach langer Zeit wieder Kontakte mit den Wehren aufgenommen, die fast vierzig Jahre unterbunden waren. Auch Verbindungen zu Feuerwehren aus den Ostblockstaaten, die sich dem Westen geöffnet hatten, wurden neu belebt mit großem Erfolg wie man es von Feuerwehren her gewohnt war. So nahm die Demokratisierung der Feuerwehren, nach langen Jahren, einen guten Verlauf.

Verfasser und ©: Uwe Wulf, Wehrführer a.D. FF Öjendorf

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1. September 1939:  Ausbruch des 2.Weltkrieges.  Führungskräfte der FF bei der Hauptfeuerwache am Berliner Tor

1. September 1939: Ausbruch des 2.Weltkrieges. Führungskräfte der FF bei der Hauptfeuerwache am Berliner Tor


FF Öjendorf 1950 nach Neugründung.
Altes Feuerwehrhaus am Öjendorfer Marktplatz (1890 bis 1954).

FF Öjendorf 1950 nach Neugründung. Altes Feuerwehrhaus am Öjendorfer Marktplatz (1890 bis 1954).