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Freiwillige Feuerwehr Hamburg

12.03.2005
Aktuelles

Klingelstreiche mit 112


"Kommen Sie schnell, mein Hintern brennt!" Wieder einer der typischen Anrufe, der gestern bei der Notrufzentrale der Hamburger Feuerwehr einging. "Gerade am frühen Nachmittag, nach Schulschluß, rufen viele Jugendliche und Kinder an, aus Spaß oder für eine Mutprobe", sagt Disponent Klaus-Dieter Kötsche (45).

 

Manchmal legt er einfach wieder auf. Mit solchen Anrufern zu diskutieren, bringe nichts. „Außerdem muß die Leitung frei bleiben.“ Die Zahl der Fehlalarmierungen sei in den vergangenen Jahren „immens gestiegen.“ Bei der Feuerwehr führt man das vor allem darauf zurück, daß immer mehr Kinder und Jugendliche Handys besitzen. Rund 2000 Anrufe gehen täglich in der Notrufzentrale ein. Die Feuerwehrmänner rücken aber nur 500- bis 600mal am Tag aus. Oft wird bei einem tatsächlichen Brand mehrfach angerufen. Ein weiterer Grund: Es gibt immer mehr Klingelstreiche.

Von 9264 Brand-Alarmierungen im Jahr 2003 stellten sich 3571 Anrufe als Fehlalarm heraus. Aber nicht nur Kinder und Jugendliche rufen „112“ an, obwohl kein Notruf nötig ist. Da gibt es Frau H., eine ältere Dame, die seit zehn Jahren mehrmals im Monat anruft und „Strahlen aus dem All“ beklagt. „Wir beraten sie immer freundlich, dann ist sie beruhigt und legt auf“, so Disponent Ronald Stöter (46). Eine andere Dame ruft regelmäßig an und erkundigt sich nach Tag und Uhrzeit. Und dann ist da noch Sven. Der offenbar geistig verwirrte Mann ruft bis zu 40mal am Tag an und liest den Feuerwehrmitarbeitern aus Büchern und Zeitungen vor. „Sein momentanes Lieblingsthema ist US-Präsident Bush“, sagt Stöter. Manchmal rezitiert Sven auch Shakespeare oder Rilke. Irgendwann waren die Disponenten so genervt, daß sie Svens Telefon sperren ließen und der Polizei Bescheid gaben. Nach Paragraph 145 des Stafgesetzbuches ist der Mißbrauch von Notrufen strafbar und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldbuße geahndet werden. Trotzdem, das ist Stöter wichtig: „Lieber einmal zuviel anrufen als einmal zuwenig.“

Hamburger Abendblatt, erschienen am 11. März 2005 in Hamburg

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