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Freiwillige Feuerwehr Hamburg

13.02.2016
Ausbildung

Ausbildungslehrgang für Atemschutzgeräteträger der FF Hamburg


Ein Bericht über die Ausbildung bei der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg.

Die Feuerwehr Hamburg bietet für Aus- und Fortbildungen Lehrgänge an der Feuerwehrkademie an. Nachdem ein Kamerad seine Grundausbildung in einem Jahr bestanden durchlaufen hat, kann er in seinem zweiten und letztem Anwärterjahr den Atemschutzgeräteträgerlehrgang besuchen. Dieser Lehrgang kann entweder in einer Woche am Tage oder für Berufstätige/Schüler, die nicht von ihren Pflichten befreit werden können, auch nur abends, allerdings in 7 Tagen stattfinden. Wir haben für euch mal einen Abend-Lehrgang begleitet und versuchen, euch einen Einblick in den wohl anstrengendsten Lehrgang an der Feuerwehrakademie zu geben. Wer sich für den Weg entscheidet, ein Atemschutzgeräteträger zu werden, muss nicht nur seine Grundausbildung bestanden haben, sondern auch die G26.3 Untersuchung beim Arbeitsmediziner. Diese Funktion bei der Feuerwehr benötigt sehr viel körperliche Fitness und Ruhe beim Handeln. Nur wer sich in brenzligen Situationen beruhigt und gewisse Handgriffe sicher beherrscht ist für diesen Job geeignet. Es geht nicht nur um das Retten, Löschen, Bergen und Schützen unserer Bürger und dessen Eigentum, sondern auch um das Leben der eigenen Kameraden. Aufgrund der Wichtigkeit dieses Themas, wird durch die Ausbilder jeder Teilnehmer an seine Grenzen gebracht, um zu sehen, ob sie diesen Belastungen im Einsatz standhalten können. Es ist wichtig, dass die Berufsfeuerwehr bzw. jeder Atemschutzgeräteträger sich auf den anderen Kameraden verlassen kann und er gewisse Belastungen auf sich nehmen kann.

Abend 1+2:

An den ersten beiden Abenden findet eine theoretische Unterweisung statt. Die Ausbilder erklären die Atmung sowie die Eigenschaften der Atemgifte. Hier wird den Auszubildenden erklärt, welche Gefahren bei einem Atemschutzeinsatz auf die Feuerwehrangehörigen einwirken und wie sie sich schützen können. Ein Atemschutzeinsatz kann mit einem Filter oder Behältergerät durchgeführt werden, wobei es wichtig ist, dass jedem Träger sein Gerät und dessen Benutzung klar ist. Die Geräte werden ausführlich erklärt und deren Einzelteile benannt. Nicht zuletzt wird außerdem über Gefahren an der Einsatzstelle gesprochen.

Abend 3:

Der dritte Abend ist der entscheidende Abend, an diesem zeigt sich wer mit dem Tragen der Maske umgehen kann und wer fit ist. Die Ausbilder erklären, wie eine Maske richtig angelegt wird und worauf zu achten ist. Zum Beispiel nicht richtig getragene Haare oder auch ein Bart können zu Undichtigkeiten führen und dies kann für den Atemschutzgeräteträger lebensgefährlich sein. Nach dem korrekten Anlegen der Maske erhält jeder Teilnehmer seinen Filter. Der sportliche Teil beginnt, es wird mit leichter Tätigkeit unter Filtergerät begonnen, die sogenannten Gewöhnungsübungen. Ein kleiner, enger Gitter-Industrieturm muss bestiegen werden, wobei jeder auf seinen Trupp-Partner achten muss. Teamarbeit und das gegenseitige Aufpassen im Atemschutzeinsatz sind wichtig für beide. An der nächsten Station müssen alle auf das Dach einer Beton-Bushaltestelle klettern. Auch hier zeigt sich, wie wichtig es ist, im Team zu arbeiten und zu kommunizieren. Vor der großen Mehrzweckhalle sammeln sich alle nach einer kurzen Laufstrecke. Im Kriechkeller wird nun getestet, wie Kameraden auf Enge reagieren und müssen sich durch einen Gitterkäfig mit mehren Ebenen und Hindernissen kämpfen sowie Schlaggewichte heben. Nach diesen gesamten Belastungs- und Gewöhnungsübungen scheiden leider einige schon aus. Viele Kameraden können ausdauertechnisch oder auch psychisch nicht mehr und sind an ihre Grenzen gekommen. Die Gruppe mit den bestandenen Teilnehmern sammelt sich mit einem Ausbilder, welcher den Auszubildenden zeigt, wie sie ihre Atmung wieder beruhigen. Die Kameraden die leider nicht bestanden haben, werden von einem anderen Ausbilder betreut und nochmal beruhigt. Wir möchten hier nochmal drauf hinweisen, dass es nicht verwerflich ist, diesen Lehrgang nicht zu bestehen. Es geht hier um die Sicherheit von Menschenleben, bei der eine gewisse Fitness Vorraussetzung ist. Der Lehrgang kann wiederholt werden, wobei ein Vorwissen nicht schadet. Jeder Kamerad wird gebraucht, egal ob Atemschutzträger oder normaler Feuerwehrmann. Nach diesem Teil des Abends werden die fast alle sportlichen Übungen und der Kriechkeller noch einmal mit dem Atemschutzgerät durchlaufen.

Abend 4:

Nachdem die ersten Übungen mit Atemschutzgerät am Vorabend gemacht wurden, stand nun der Flaschenwechsel an. Auch dies müssen die Kameraden selbst können. Hierbei ist stets auf den Druck der Flasche zu achten und auf den richtigen Sitz der Trägerplatte sowie der Druckleitungen. Weiter ging es mit Laufen und Kriechen. Die Atemschutzträger müssen nun unter einer Straße durch eine Betonröhre hindurch, die in den Übungsbahnhof führt. Dort müssen alle unter dem Bahnsteig entlang im Dunkeln kriechen und den Ausgang finden. Nach einer kurzen Verschnaufpause wurde erst theoretisch und dann praktisch das Retten von Personen mit dem Bergetuch und der Schleifkorbtrage geübt. Hierbei muss auf die richtige Lagerung des Patienten geachtet werden. Das Herab- oder Heraufsteigen von Treppen bei Nullsicht wurde ebenfalls trainiert. Die Kameraden mussten einen Verunfallten so schonend wie möglich das Treppenhaus hinunter bringen.

Abend 5:

Der fünfte Abend wird begonnen mit einem Theorieteil in Sachen Atemschutznotfalltraining, kurz ANT. Dieses Thema ist für uns Kameraden das Wichtigste, da es hier um die Rettung der eigenen Kollegen geht. Für diesen eventuellen Notfall wird bei jedem Atemschutzeinsatz in einem Gebäude ein Sicherungstrupp bereitgestellt. Dieser soll im Falle eines Notfalls den eigenen Kameraden zur Hilfe eilen. Hierfür steht ihnen eine Art Reisetasche zur Verfügung, mit einem Atemschutzgerät, Ersatz-Lungenautomat und eine Rettungshaube. Übungen mit diesem Material folgen am 6. Abend. In einem Übungswohnhaus wird nun das Absuchen und Auffinden von Personen geübt. Dafür rüsten sich jeweils ein Trupp mit Atemschutzgerät, Brandfluchthaube und Feuerwehrsicherheitsleine aus. Hier werden Tricks gezeigt, wie man sich diese Ausrüstung an seinem Atemschutzgerät festmacht, ohne sich selbst zu verknoten. Um selbst in kleinen oder vollgestellten Räumen jede Möglichkeit auszuschließen, wo sich Personen verstecken o.ä. können, wird das Absuchen von Räumen unter Nullsicht und mit Rauch geprobt. Auch hier lernen die Auszubildenden von erfahrenen Ausbildern, worauf sie achten müssen, wie z.B. in Schränken und unter Betten nach Kindern zu suchen. Im Keller werden hiernach die verschiedensten Fluchthauben für die Personenrettung erklärt und das richtige Anlegen und Benutzen trainiert. Auch unter Nullsicht müssen die Kameraden das Überziehen der Hauben bei Personen sicher können, um diese vor einer Rauchgasvergiftung zu bewahren.

Abend 6:

Dieser Abend startet mit einer Lernerfolgskontrolle, bei der das theoretische Wissen in einem schriftlichen Test von ca. 30 Fragen in 60 min geprüft wird. Nach dem Test wird das Thema Atemschutznotfalltraining vertieft. Immer wieder kommt es weltweit zu schweren Unfällen im Atemschutzeinsatz. Oft liegt es auch an defekten Atemschutzgeräten. Hier ist es wichtig zu lernen, dass bei plötzlichem Luftmangel in der Maske nicht die Beherrschung verloren werden darf. Der erste Handgriff muss in solch einem Fall immer an das Flaschenventil führen. Hier hat sich oft gezeigt, dass sich die Ventile durch rutschen an der Wand zudrehen können. Es können aber auch andere Defekte sein, wie ein dauerhaftes Druckluftabströmen des Lungenautomaten oder auch einer defekten Druckleitung oder Atemluftleitung. Der erste Griff zum Ventil kann somit eine kurze Lösung sein, um sich zu helfen. Mit diversen Übungen wurde dies versucht, den Kameraden beizubringen, z.B. in dem ein Ausbilder hinter den Auszubildenden lang ging und ohne Ankündigung ihre Ventile zudrehte.

An der nächsten Station ging es um den richtigen Umgang mit der Atemschutznotfalltasche. Die Benutzung dieser Tasche wird in 3 Phasen eingeteilt. Grüne Phase. Gelbe Phase und Rote Phase. Sie stehen dafür, welche Maßnahme bei welchem Problem durchgeführt werden muss. Bei diesem Training war es Aufgabe, einen verunfallten Kameraden in der Grünen Phase zu retten. Hier wird nur der Lungenautomat getauscht und der Kollege atmet durch Atemluft aus der Notfalltasche. In der Gelben Phase wird die Mitteldruckleitung inkl. Lungenautomat getauscht, sodass der Kollege auch hier über die Tasche versorgt wird. In der Roten Phase geht man davon aus, dass entweder die Maske defekt ist oder der Kamerad keine Maske mehr auf hat. Hier ist es nötig, die Rettungshaube über den Kopf zu ziehen und so den Kollegen so schnell wie möglich mit Atemluft zu versorgen. Dieser Abend endet mit einem kleinen Praxis Test, bei dem eigentlich nochmal Treppenhauslaufen ansteht. Aufgrund des Wetters war dies nicht möglich, sodass jeder Teilnehmer ein Atemschutzgerät mit verbauten Fehlern bekommen hat, welche gefunden werden mussten. Außerdem musste sich richtig ausgerüstet werden. Auch hier können, wie im sportlichen Teil, Kameraden durchfallen, wenn sie nicht zeigen, dass sie ihr Erlerntes umsetzen können.

Abend 7:

Am letzten Abend wurde theoretisch die Brandbekämpfung bzw. das Strahlrohrtraining durchgeführt. Der Ausbilder erklärte das richtige Vorgehen bei der Rauchgaskühlung und den Umgang sowie die Möglichkeiten mit dem Fogfighter. In der Zeit wurde auf dem Außengelände schon mal die Zimmerbrandanlage (ZBA) vorbereitet. Diese Anlage ist mit zwei Containern in L-Form aufgebaut. Ein riesiger Gasbrenner stößt auf Knopfdruck eine Flamme in einen der beiden Container. In dem Anderen befindet sich ein Ausbilder mit zwei Atemschutzgeräteträgern. Der Truppführer muss nun die Tür zum Brandraum (Container) mit einem Streichen des Handrückens über die Tür überprüfen. Dies erfolgt von unten nach oben, um einen Hitzeanstieg festzustellen. Sobald eine starke Hitze zu spüren ist, wird die Hitzegrenze durch raufklopfen markiert, um dem Truppmann zu zeigen, wie groß die Gefahr einer Rauchgasdurchzündung ist. Beide Kameraden sitzen von der Scharnierseite der Tür abgewandt, um im Falle einer Durchzündung nicht von der Tür getroffen zu werden. Sobald beide sich abgesprochen haben, öffnet der Truppführer die Tür mit der Axt, wobei der Truppmann mit dem Strahlrohr in die Türzarge rutscht und 3 Stöße im 45° Winkel an die Decke gibt. Danach ziehen sich beide sofort zurück und schließen die Tür. Dieses wird solange wiederholt bis nur noch Wassertropfen von der Decke kommen und kein Wasserdampf. Außerdem wurden weitere Löschtechniken gezeigt, die jeder Auszubildende in der ZBA trainieren musste. Nach diesem heißen und anstrengendem vorletzten Teil des Lehrganges wartete nun das Ende – der Durchgang durch die Mobile Atemschutzübungsstrecke (MOBAS). Hier mussten alle noch einmal durch kleine sportliche Übungen wie Fahrradfahren, Endlosleiter steigen und Gewichte heben ihre Fitness beweisen. Zum Schluss wartete der Kriechkäfig, in dem es in zwei Ebenen mit Rauch und Hitzestrahlern eng und warm wurde. Aber auch dies meisterten die Kameraden super.
Von den anfangs 16 Teilnehmern dieses Lehrganges bestanden ihn 7 Kameraden.

Wir wünschen den Kameraden alles Gute und hoffen, dass ihr immer gesund an eure Feuerwehrhäuser zurück kehrt.

Außerdem möchten wir uns nochmal für die tolle Zusammenarbeit bei Herrn Seeger (Ausbilder Atemschutz) und seinen Kollegen bedanken und hoffen, mit diesem Bericht etwas Aufklärung in Sachen Atemschutzausbildung leisten zu können. Die Anforderungen an die Atemschutzgeräteträger sind hoch aber gerecht. Die körperliche Fitness ist ein sehr wichtiger Bestandteil dieses Lehrganges.

An dieser Stelle wollen wir alle Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg auf die Lehrgänge der Feuerwehrakademie hinweisen. Zum Thema Unfälle im Atemschutzeinsatz wird es ab diesem Jahr einen neuen Lehrgang geben.

Für weiter Informationen rund um das Thema Atemschutzeinsatz schaut doch nochmal hier rein:
www.atemschutzunfaelle.eu

- [d.schaefer]

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