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Freiwillige Feuerwehr Hamburg

17.05.2017
Wehrartikel

Heute ist Weltfernmeldetag!


Im Gedenken an die unbegrenzten Möglichkeiten zur Kommunikation bis in die ganze Welt und an die wenigen Menschen, die das auch ermöglichen.

Am 17. Mai 2017 ist der Weltfernmeldetag – greifen wir nun mal im Zeitalter der globalen Kommunikation diesen Anlass auf, um mit ein paar Worten über das, was uns selbstverständlich erscheint, ein wenig zu berichten – natürlich mit dem Schwerpunkt auf die Feuerwehr und dem Katastrophenschutz.

Der Weltfernmeldetag (Welttag der Telekommunikation und Informationsgesellschaft) wurde durch die Internationale Fernmeldeunion (eng. International Telecommunication Union, kurz ITU) ins Leben gerufen und soll an den Gründungstag eben dieser Organisation am 15.05.1865 erinnern. Die ITU ist heute eine UN-Sonderorganisation mit dem Ziel der Harmonisierung und Förderung der internationalen Zusammenarbeit im Fernmelde- und Nachrichtenwesen.

Durch die UNESCO wurde der Weltfernmeldetag am 27.03.2006 per Resolution als weltweiter Gedenktag anerkannt. Dabei soll besonders auf die Errungenschaften des Fernmeldewesens über den Austausch von Nachrichten über gewisse Distanzen hinweg aufmerksam gemacht werden – und das war nicht immer so bequem wie heute im Zeitalter drahtloser Multimedia-Kommunikation mit dem Smartphone…

Schaut man zurück in die Geschichte der Menschheit, gab es schon immer, besonders beim Militär, den Bedarf an möglichst schneller Nachrichtenübermittlung. Wurde dieses anfangs noch ausschließlich durch Meldeläufer (z. B. Schlacht von Marathon um 490 v. Chr.) oder Reiter realisiert, versuchte man mit der Zeit auch Befehle und sonstige Nachrichten durch Wink-, Blink- oder auch Rauchsignale zwischen mindestens zwei Standorten zu übertragen. Dabei bestand aber auch die große Gefahr, dass diese Nachrichten dann durch den Feind sozusagen „mitgelesen“ wurden…

Einen ersten großen Durchbruch gab es dann zum Jahre 1835, als der (mittlerweile erfundene) drahtgebundene Telegraph durch entscheidende Verbesserrungen, u. a. durch die Erfindung des Schreibtelegraphen von Samuel Morse, eine schnelle und sichere Nachrichtenübermittlung sicherstellte. Diese Technik hatte jedoch den Nachteil, dass die Telegraphisten (sozusagen die ersten richtigen Fernmelder) ein besonderes Alphabet, bestehend aus Punkten (kurzes Signal) und Strichen (langes Signal), beherrschen mussten. Dennoch fand die Telegraphie unter anderem während des Amerikanischen Bürgerkrieges von 1861 bis 1865 großen Nutzen bei der Nachrichtenübermittlung der Unionstruppen, aber auch bei den Einheiten der gegnerischen Konföderierten Armee.

Den nächsten großen Meilenstein erlebte das Fernmeldewesen dann gegen 1876, als mehrere Erfinder wie z. B. Alexander Graham Bell oder Thomas Alva Edison die ersten gebrauchstauglichen Telefone für die Übertragung von Sprache entwickelten.

Und diese Technik war wiederrum insbesondere für das Militär interessant, weil mit diesen Endgeräten eine Bedienung quasi durch „Jedermann“, ohne eine besondere Schulung, möglich war.

Insbesondere im ersten Weltkrieg hatte die drahtgebundene Telefontechnik in Form des Feldkabelbaus eine große Zeit: Während der Grabenkriege in Frankreich waren hunderte von Kilometern an Feldkabel auf beiden Seiten der Front verlegt worden, um die Befehlsstellen der Armeeführungen mit den unzähligen Gefechtsständen der einzelnen Infanterie- oder Artillerieeinheiten, aber auch zu den vorgeschobenen Beobachtern zu verbinden. Und für das Verlegen, der Wartung und der Reparatur (nach einem Sabotageakt oder durch Beschuss) der Feldkabelstrecken sowie für die Bedienung der Handvermittlungsstellen war speziell ausgebildetes Personal erforderlich: die Fernmelder. Diese Truppe entwickelte sich geradezu rasant zu einer der wichtigsten Teileinheiten, ohne die keine Streitmacht der Welt mehr auskommen sollte.

Aber bereits fast 30 Jahre später, während des zweiten Weltkrieges, wurden die drahtgebundenen Verbindungen durch die wachsende Mobilität der militärischen Einheiten, insbesondere der an Bedeutung zunehmenden Panzertruppen und der Luftwaffe, immer mehr durch ein neues Medium unaufhaltsam verdrängt: dem Sprechfunk.

Nun konnten die Befehle an die Kampfwagen oder Flugzeuge drahtlos übermittelt werden, um auch mitten im Gefecht auf das Geschehen Einfluss nehmen zu können. Aber mit dem Nachteil, dass wiederum die unmittelbare Gefahr des Abhörens durch feindliche Truppen bestand. Hier versuchte man jedoch durch die Übertragung von codierten Funksprüchen den Gegner im Dunkeln zu belassen, die Amerikaner setzten dafür im Pazifikkrieg sogar spezielle Funker vom Indianerstamm der Navajo (der berühmte Navajo-Code) ein – mit großem Erfolg!

Nach dem zweiten Weltkrieg und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde für den Schutz der Zivilbevölkerung der Luftschutzhilfsdienst (LSHD) mit verschieden Fachdienstkomponenten aufgestellt. Neben Instandsetzungs-, Bergungs-, Brandschutz-, ABC- und Sanitätseinheiten wurden bundesweit auch dutzende Fernmeldezüge für die Erhaltung der Kommunikation im Krisenfall vorgehalten. Zu diesen Zeiten war die Ausstattung der Fernmeldezüge mit Fernsprech- und Funkausrüstung noch sehr ausgewogen, da nur wenige Einsatzfahrzeuge mit mobilen Sprechfunkanlagen ausgerüstet waren und die Kommunikation der einzelnen Befehlsstellen in erster Linie über die relativ sicheren Feldkabelstrecken abgewickelt wurde. Das erforderte weiterhin den Einsatz von speziell ausgebildeten Fernmeldepersonal, um die benötigten Fernsprechleitungen zu bauen und die dazugehörigen Fernsprechvermittlungen zu bedienen. Die Ausbildung zum Fernmeldehelfer nahm damals noch so ziemlich denselben ausgedehnten Zeitrahmen in Anspruch wie die heutige Grundausbildung im Brandschutz…

Die Fernmelder müssen als Fachdienst neben dem Bau und Betrieb von Feldkabelstrecken auch die Anschlüsse an das bestehende amtliche Fernsprechnetz oder an Nebenstellenanlagen von Behörden oder Firmen beherrschen. Auch im Bereich der Funktechnik sind sehr gute Kenntnisse, die weit über das Maß eines „normalen Sprechfunkers“ hinausgehen, erforderlich. Denn besonders bei der alten analogen Technik waren mit relativ einfachen Mitteln technisch weitaus mehr Möglichkeiten der drahtlosen Übertragung möglich, als es heute bei der neuen digitalen Funktechnik der Fall ist.

Mit Auflösung des LSHD im Jahre 1972 wurden die Fernmeldezüge auf die verschiedenen Katastrophenschutzorganisationen (wie z. B. Feuerwehr, THW oder die Hilfsorganisationen) aufgeteilt. Im Bereich der Hansestadt Hamburg gingen die Fernmeldezüge zur Freiwilligen Feuerwehr über, wobei dann auch gleich mehrere neue Wehren gegründet wurden.

Damit wurde dann auch letztendlich eine neue Aufgabe für die Fernmelder in Hamburg übernommen: die Besetzung des Befehlswagens der Berufsfeuerwehr. Und das ist auch bis heute so geblieben!

Mit der weltweiten Entspannungspolitik Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden die Fernmeldezüge in ihrer alten Form formell aufgelöst. Alle ehemaligen Fernmeldewehren gaben dafür, bis auf einen Fernspechkraftwagen, alle Fernmeldefahrzeuge ab und erhielten dafür im Verlauf weniger Jahre bis zu zwei Löschfahrzeuge. Ab diesem Moment galt das Fernmeldewesen neben der Hauptaufgabe zur Teilhabe am Brandschutz und der Technischen Hilfeleistung nur noch als eine Sonderaufgabe, so wie z. B. auch die Versorgung der Einsatzkräfte oder die Wasserförderung über lange Wegstrecken.

Und mit eben dieser Sonderaufgabe übernahmen die heutigen Fernmeldewehren auch die Ausbildung der Sprechfunker innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr und somit durchläuft soweit jeder junge Anwärter / jede junge Anwärterin heutzutage an einem der verbliebenen sechs Standorte der Fernmelde-Wehren einen solchen Lehrgang.

Im Herbst des Jahres 2008 wurden die alten ehemaligen Fernsprechkraftwagen des Katastrophenschutzes, die seit Mitte der 90er Jahre als Gerätewagen Fernmeldetechnik (GW-FM) bezeichnet wurden, durch sieben neue 12-Tonnen LKW ersetzt. Diese Fahrzeuge bieten deutlich mehr Arbeitsraum für die Fernmelder und sind mit moderner Telekommunikationstechnik ausgestattet. Zusammen mit einem der vier Anhänger Führung und Lage (AnhFüLa) kann an jedem beliebigen Ort schnell eine Befehlsstelle mit Platz für einen Führungsstab und der dazugehörigen Fernmeldestelle eingerichtet werden.

Neben diversen Einsätzen im Hamburger Stadtgebiet waren solche Gespanne z. B. auch im Jahre 2013 beim Hochwasser auf der Elbe zur Hilfeleistung in Dresden (Sachsen) und in Neu Bleckede (Niedersachsen) beteiligt.

Und spätestens seit diesen Einsätzen hat sich das Leistungsprofil des heutigen Fernmeldewesens grundlegend geändert: kam es früher eher allein auf das Bauen und dem Betrieb von Fernmeldeverbindungen sowie der Übermittlung von Nachrichten an, so ist heutzutage jeder Fernmelder auch ein Führungsgehilfe, der neben der Arbeit am Funkgerät auch mal den Führungsstab an der Lagekarte unterstützt oder das Einsatztagebuch führt.

Dennoch darf das Grundwissen des klassischen Feldkabelbaus nicht in Vergessenheit geraten, denn auch heute im Zeitalter des Mobilfunks braucht man immer noch zwischen dem Abholpunkt eines Festnetzanschlusses bis hin in die Telekommunikationsanlage der mobilen Befehlsstelle etliche Meter abhörsichere Drahtleitung – und die baut sich nicht von selbst!

Text: Thomas Menschel, FF Wandsbek-Marienthal

Bilder: Claus Tiedemann / Archiv der FF Wandsbek-Marienthal

- [d.schaefer]

Feldkabelbau des LSHD während einer Übung Mitte der 60er Jahre

Feldkabelbau des LSHD während einer Übung Mitte der 60er Jahre


Eine Feld-Vermittlungsstelle im Winter

Eine Feld-Vermittlungsstelle im Winter


Nur nicht den Überblick verlieren!

Nur nicht den Überblick verlieren!


Funkkraftwagen des LSHD im Übungsbetrieb

Funkkraftwagen des LSHD im Übungsbetrieb


Feldkabelbau kurz vor der Auflösung der Fernmeldezüge Anfang der 90er Jahre

Feldkabelbau kurz vor der Auflösung der Fernmeldezüge Anfang der 90er Jahre


Feldkabelbau mit einem Fernsprechkarren während einer Übung 2012

Feldkabelbau mit einem Fernsprechkarren während einer Übung 2012